Verbraucherschutz mit Folgen

Warum wir keine Kräuterbeschreibungen mehr einstellen dürfen


 

Bislang war es unser stetes Bemühen, Euch in unserem Kräuterbines Manufaktur-Shop unser Wissen um die Heilkraft der Pflanzen weiter zu geben, indem wir die gesundheitsfördernden Eigenschaften und die Heilwirkung der von uns angebotenen Kräuter- und Kräutermischungen beschrieben.

Das vereinfachte es Euch, die zum gesundheitlichen Problem Eures Tieres passenden Kräuter oder Kräutermischungen zu bestellen, ohne zuvor meinen Rat als Tierheilpraktikerin zu erfragen, denn wir wiesen mit ihrer Beschreibung und ihren Namen bereits auf ihre Heilwirkung hin.

Genau das führte aber nun zu einer Anklage wegen eines Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz und dazu, dass wir alle Beschreibungen, die sich auf die Einsatzgebiete der Kräuter und Kräutermischungen (Krankheiten und Symptome) oder auf die Eigenschaften (Heilwirkung) beziehen, entfernen mussten.

 

Wenn Pflanzen durch die Verwendung von Worten zu Arzneimitteln werden


 

Tatsächlich war uns nicht bekannt, dass Kräuter und Kräutermischungen nur dann frei verkäuflich sind, wenn es sich bei ihnen nicht um Arzneimittel, sondern um Futtermittel oder Lebensmittel handelt.

Wir wussten nicht einmal, dass wir mit dem Verkauf der mit ihrer Heilwirkung beschriebenen Pflanzen gesetzwidrig handeln und gegen das Arzneimittelgesetz verstossen.

Zum apothekenpflichtigen Arzneimittel wird eine Pflanze oder eine Kräutermischung

  • wenn der Anbieter ihre Einsatzbereiche gegen Krankheiten oder ihre symptomlindernden, beziehungsweise heilenden Eigenschaften beschreibt und damit mit ihrer Heilwirkung wirbt, respektive ein Heilversprechen gibt.

Schon aus dem verwendeten Begriff „Heilpflanze“ oder „Heilkräuter“ ergibt sich laut dem Gesetzgeber ein Heilversprechen an den Kunden, das – auch das ist die Meinung des Gesetzgebers – nicht eingehalten werden kann. Es sei denn, es handelt sich um ein Produkt aus Pflanzensubstanzen, das durch lange wissenschaftlich fundierte Prüfung und nach erfolgten Tierversuchen in seiner Heilwirkung bestätigt und als Arzneimittel zugelassen wurde – das aber darf jedoch wiederum nicht frei verkauft werden, sondern kann nur über Ärzte und Apotheken bezogen werden.

Frei verkäuflich sind also nur Kräuter oder Kräutermischungen, die vom Anbieter nicht als Heilmittel verkauft und beschrieben werden und bei denen der eindeutige Hinweis an den Kunden erfolgt, dass mit dem Verkauf der Kräuter und Kräutermischungen kein Heilversprechen verbunden ist – was eigentlich bedeutet, dass der Kräuterhändler vom Gesetzgeber gezwungen wird, seine angebotenen Pflanzenprodukte als unwirksam anzubieten.

Im Hinblick darauf, dass es aber nur ein paar beschreibende Worte braucht, um aus der frei verkäuflichen Pflanze, der ihr Anbieter die Heilwirkung absprechen muss, ein apothekenpflichtiges Arzneimittel mit Heilwirkung werden zu lassen, scheint diese Gesetzgebung doch irgendwie kurios.

Wer Kräuter also frei und ohne Apothekerschein verkaufen möchte, der darf ihre Heilwirkung nicht erwähnen und muss sie als Lebensmittel oder Tierfuttermittel anbieten:

Zitat aus der Ducksache vom Deutschen Bundestag Nr. 16/2247 vom 18.7.2006 - Seite 2 und 3

(...) Danach sind Arzneimittel Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen, die dazu bestimmt sind, durch Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper Krankheiten, Leiden, Körperschäden oder krankhafte Beschwerden zu heilen, zu lindern, zu verhüten oder zu erkennen. Gemäß § 2 Abs. 3 Nr. 1 AMG sind Arzneimittel nicht Lebensmittel im Sinne des § 2 Abs. 2 des Lebensmittel-, Bedarfs- gegenstände- und Futtermittelgesetzbuches (LFGB).

(...) Aufgrund des AMG und der Verordnung über apothekenpflichtige und freiver- käufliche Arzneimittel (nachstehend Verordnung) sind Kräuter und Kräutertees als Arzneimittel für den Verkehr außerhalb der Apotheken grundsätzlich freigegeben, wenn sie als Vorbeugemittel, also ohne Heilungsindikation, in den Verkehr gebracht werden (§ 44 Abs. 1 AMG),

 

Verbraucherschutz oder Verbraucherwirrnis?


 

 Für uns bedeutet das:

  • dass wir unsere Kräuter und Kräutermischungen als gesundheitsunterstützende Ergänzungs- oder Zusatzfuttermittel anbieten müssen
  • dass wir unsere Produkte nicht mehr als Heilkräuter- oder Heilkräutermischungen bezeichnen dürfen, weil diese Bezeichnung bereits ein Heilversprechen vermittelt, das wir zum Schutz des Verbrauchers nicht geben dürfen
  • dass wir unsere Kräuter und Kräutermischungen nicht als heilsame alternative Arzneimittel aus der Apotheke der Natur anbieten dürfen
  • dass wir alle Beschreibungen, die sich auf die Einsatzgebiete der Kräuter und Kräutermischungen (Krankheiten und Symptome) oder auf die Eigenschaften (Heilwirkung) beziehen, entfernen mussten
  • dass ein Apotheker, der Kräuter verkauft, Euch ein Heilversprechen geben darf, indem er seine Produkte als heilend oder lindernd bewerben darf, weil er die Legitimation hat, sie als Arzneimittel anzubieten, während wir die gleichen Kräuter als Futtermittel ohne Heilwirkung verkaufen müssen

 

Für Euch bedeutet das:

  • dass wir unser Wissen um die Heilkraft der Natur, von der Hildegard von Bingen, Pfarrer Kneipp und viele Tier- und Kräuterfreunde und selbstverständlich auch wir selbst überzeugt sind, nicht mehr mit Euch teilen und mit sofortiger Wirkung auch nicht mehr auf unseren Shop-Seiten veröffentlichen dürfen
  • dass Ihr Euch die Informationen zu den Eigenschaften (Heilwirkung) und Einsatzgebieten (Krankheiten und Symptome) der Kräuter über neutrale Naturheilkunde-Informationsseiten holen müsst, zu denen wir wir zwar verlinken, die wir aber auch nicht zitieren dürfen
  • dass wir Euch keine Kräuterberichte mehr schreiben dürfen, weil dies als Werbung für unsere Produkte gilt, wenn wir die beschriebenen Kräuter gleichzeitig in unserem Shop zum Verkauf anbieten
  • dass man Euch, als Verbraucher, vor dem Gebrauch von Kräutern schützen will, indem man uns zwingt, Euch zu vermitteln, dass sie Euren Tieren nicht helfen können, auch wenn unsere und Eure Erfahrungen ganz andere sind
  • dass man Euch im Namen des Verbraucherschutzes vermitteln möchte, dass Ihr besser die pflanzlichen Arzneimittel aus der Apotheke und vom Tierarzt kauft, weil die eine Arzneimittelzulassung haben (und viele Tierversuchsopfer kosteten) und heilwirksamer sind, als unsere Kräutermischungen, obwohl sie meist die gleichen pflanzlichen Inhaltsstoffe enthalten und somit höchstwahrscheinlich auch eine vergleichbare Wirkung haben, aber ungleich teurer sind

 

Ob diese Form von Verbraucherschutz sinnvoll ist, dürfen und wollen wir gar nicht beurteilen. Wir glauben jedoch, dass wir Euch mit Bezeichnungen wie „Ergänzungsfuttermittel“ oder Formulierungen wie „kann die Gesundheit der Gelenke unterstützen, aber ein Heilversprechen ist daraus nicht abzuleiten“ verwirren, weil wir Euch damit an der Heilkraft der Natur zweifeln lassen – und das, obwohl Ihr längst davon überzeugt seid, dass sie eine wunderbare Alternative zur Chemie und zur Schulmedizin ist.

Damit erhalten alle die Anbieter von Kräutermischungen, die als (Tier)Arzt oder Apotheker auf die Heilwirkung ihrer pflanzlichen Produkte hinweisen dürfen, einen Wettbewerbsvorteil gegenüber all den Anbietern von Kräutern, denen es verboten ist, die Heilwirkung ihrer Produkte zu beschreiben. Wer kauft denn als Besitzer eines wegen Arthrose lahmenden Pferdes oder eines hinkenden Hundes mit HD schon eine Kräutermischung, die lediglich aussagt, dass sie die Gelenksgesundheit unterstützt und überdies noch vermittelt, dass der Anbieter auch nicht überzeugt ist, dass sein Produkt heilt oder lindert, weil er dazu schreibt, dass er kein Heilversprechen gibt? - ein Schelm, der dahinter vermutet, dass man damit den Verbraucher weg vom Kräuterhändler und Tierheilpraktiker und hin in Richtung Apotheke und Tierarzt beeinflussen möchte.

Wir müssen uns diesem Gesetz beugen und es werden nach und nach auch andere Anbieter, die keine Legitimation haben, Arzneimittel zu verkaufen und ihre Kräuter oder Kräutermischungen in ihren Kräutershops als Heilkräuter anbieten und im Shop mit ihrer Heilwirkung beschreiben, durch die Ermittler des Gewerbeaufsichtsamts gefunden und dafür bestraft werden, dass sie gegen das Arzneimittelgesetz verstießen.

Ob das im Sinn des Kunden und Verbrauchers ist, bleibt jedem selbst überlassen zu bewerten.

Unser Shop wird im Bezug auf die Informationsquellen, die Ihr darin finden konntet, ganz sicher unattraktiver für Euch werden.

Auch das Auswählen der Kräutermischung, passend zu den gesundheitlichen Problemen Eurer Tiere wird aufwändiger und anstrengender werden, weil Ihr die Heilinformationen zu den Kräutern nicht mehr direkt bei den Produkten findet, sondern auf externe Kräuterseiten verwiesen werdet, um Euch zu informieren.

Diese Anweisung klingt und ist kurios, aber erklärt sich darin, dass man die Heilkraft der Pflanzen nur dann beschreiben darf, wenn man sie nicht verkauft. Der Gesetzgeber will damit verhindern, dass Kräuteranbieter mit „Pflanzenheilkräften“ für ihre Produkte werben und Kunden gewinnen, die sich von der Pflanzenheilkraft überzeugen lassen – das nennt sich Verbraucherschutz. Ob es dem Verbraucher, also Euch, wirklich nützlich ist, ist leider nicht relevant, wenn Gesetze erlassen werden.

Wir bedauern es aufrichtig, Euch mehr Aufwand zumuten zu müssen.

Trotzdem wird sich an den Produkten, die Ihr bei uns bestellen konntet, nichts ändern – sie sind nach wie vor die gleichen, die Ihr kennt und schätzt.

Die Beschreibung der Produkte und teilweise die Namen – wenn sie auf die Heilwirkung verweisen (wie beispielsweise die Anti-Tumor-Mischung), mussten wir hingegen ändern.

Wenn Ihr aber unsicher seid, ob das Produkt, das die zum Problem Eures Tieres passenden Pflanzen enthält, die Wirkung erzielt, die ihr erhofft, dann schreibt uns oder ruft uns an – wir helfen Euch dann sehr gerne und beraten Euch weiterhin ehrlich und seriös auf der Basis unseres Wissens und unserer eigenen, sowie der Erfahrungen unserer Kunden.

 

Eure Sabine Bröckel - Kräuterbine